Marie Luise Stahl

Geboren in Halle ging es als Kind zweier Puppenspieler bald weiter. Wir lebten in Erfurt, Halle, Naumburg, dann wieder in Erfurt. Zwischen den häufigen Umzügen wurden mir, mehr als die jeweiligen Städte, die Puppentheater zur Heimat. Während meiner Grundschulzeit begann ich tanzend erste Geschichten zu erzählen. Die Rolle des Rumpelstilzchen wurde mir mit sieben Jahren das erste Mal zugedacht. Angekommen in Erfurt begann ich mit zehn Jahren in Filmen mitzuwirken und suchte mir gleich drei Theatergruppen, um die Nachmittage dort verspielen zu können.

Nach dem Abitur begleitete ich die Schultheatergruppe des EvRG als Spielleiterin bei den Inszenierungen „Frühlingserwachen“ und „Ein Sommernachtstraum“ von Vincent Kresse. 

Nach einem Abstecher in die Theorie – zwei Semester Studium der Germanistik und Philosophie und der Erkenntnis, dass Logik zwar wie Mathe aussieht, man damit aber Sprache und Gedanken(!) rechnen kann – begann das ersehnte Schauspielstudium an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Dort folgte in der Abschlussinszenierung am „Hans Otto Theater“ meine zweite Begegnung mit Wedekinds „Frühlingserwachen“ in der Inszenierung „Live Fast – Die Young“ von Andres Rehschuh. Nach dem Studium begann 2016 das Erstengagement am Theater Rudolstadt. Dort spielte ich u.a. Behemoth (in „Der Meister und Margaritha“), Iphigenie, Helene (in „Vor Sonnenaufgang“) und verschiedene Rollen in „Die Bibel“, „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“, Kafkas „Der Prozess“ und der Revue „Das muss ein Stück vom Himmel sein“. Während dieser Zeit führte ich das erste Mal Regie für das Erfreuliche Theater Erfurt. Auf „König und Königin Drosselbart“ folgten weitere Puppentheaterinszenierungen: „Ich will das, was du nicht willst“, eine Familiengeschichte über Möglichkeiten und Tücken der Demokratie, und, in Coregie, „Romy und Julian oder die Liebenden vom Dachboden“. Im letzten Jahr meiner Anstellung in Rudolstadt, 2020, kam mein Sohn zur Welt, der erst einmal meine volle Aufmerksamkeit, Liebe und Kreativität forderte, brauchte und erhielt. 

Als Gast ging ich noch einmal ans Theater Rudolstadt um, erstmals erprobt als Siebenjährige, noch einmal das Rumpelstilzchen zu spielen.

Anfang 2022 schrieb ich meine erstes Stück, eine Dramatisierung von Wolf Erlbruchs „Ente, Tod und Tulpe“ für eine Puppenspielerin, welches ich auch inszenierte. Nun erwarten mich ein Sommer als Mogli in Rudolstadt und die Arbeit am nächsten ureigenen Projekt - „Die fürchterlichen Fünf“!